An der Sportmittelschule wird Tschechisch unterrichtet
Einzige Mittelschule in Bayern mit "Bilingualem Profil"Bilingual, also zweisprachig, aufzuwachsen, ist lebenslang ein Vorteil. Das gilt im Privat- wie im Berufsleben und bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz. Seit September trägt die Sportmittelschule Hauzenberg als einzige Mittelschule Bayerns – neben drei Realschulen und zwei Gymnasien – das Prädikat „Schule mit bilingualem Schulprofil Tschechisch“. Neben Englisch sind damit die tschechische Sprache und Kultur Unterrichtsgegenstand.
„Jmenuji se Anna. Mám bratra.“ „Ich heiße Anna. Ich habe einen Bruder.“ Mit solch einfachen Sätzen und einzelnen Wörtern werden die Mädchen und Buben der 5. und 7. Klassen an der Sportmittelschule seit September an die tschechische Sprache herangeführt.
„Eine interessante Sache“, sagt Rektorin Margit Uhrmann, die dazu Anfang November ein dreitägiges Seminar in Prag besucht hat. Wichtig sei, dass die Schüler mit der zweiten Fremdsprache nicht überfordert werden. „Uns kommt es darauf an, dass wir nicht abschrecken, sondern behutsam heranführen. Die erste Begegnung mit der fremden Sprache muss niederschwellig und handlungsorientiert sein“, sagt sie.
Schulleitung und verantwortliche Kollegen haben deshalb entschieden, den bilingualen Unterricht nur in einzelnen Fächern einzurichten. Ein eigenes Unterrichtsfach Tschechisch braucht es dazu nicht. Ein Zertifikat, das über eine abschließende Prüfung oder einen Test erworben wird, ist momentan zwar angedacht, aber erst in Planung. „Wir haben ja gerade erst angefangen und müssen noch Erfahrungen sammeln“, sagt Margit Uhrmann und verweist auf die enge Kooperation mit der Schulabteilung bei der Regierung von Niederbayern, die diesen Weg mitträgt.
Gegenwärtig erfolgt die Begegnung mit der tschechischen Sprache in der 5. Klasse im Fach Sport in spielerischer Form als „bewegtes Lernen“ einmal wöchentlich. Grundlegende Wörter und Redewendungen sollen durch Bewegung und Interaktion verankert werden. Dazu gehören etwa Zahlen, eine kurze Vorstellung der eigenen Person und ein Wortschatz, der mit dem Basisfach Sport zusammenhängt.
Erst in der 7. Klasse kommen im berufsorientierten Wahlpflichtfach Technik kurze Spracheinheiten dazu. Die Schüler sollen ihren Wortschatz erweitern, einfache Sätze bilden können und grundlegende Grammatikkenntnisse erwerben. „Sowohl das mündliche als auch das schriftliche Arbeiten werden systematisch eingeübt und im Unterricht angewandt, aber noch nicht beurteilt“, erläutert Uhrmann. Dabei werden im Tschechisch-Unterricht jeweils zwei Lehrkräfte in der Klasse sein, eine, die den regulären Unterricht erteilt, und ein Tschechisch-Lehrer. Auf die 6. und 8. Jahrgangsstufe soll der begonnene Spracherwerb in 5. und 7. Klasse in einer Art Fortgeschrittenen-Kurs übertragen werden. Dabei ist man an der Sportmittelschule froh, mit Veronika Bassermann und Adam Pecl zwei Muttersprachler für den Unterricht in der neuen Fremdsprache gewonnen zu haben.
Neben dem Unterricht gehört zum bilingualen Profil auch ein Begegnungs-Programm. Eine Exkursion einer 5. Klasse zur Partnerschule in Krumau mit einem Vortrag zu Fauna und Flora im trinationalen Dreisesselgebiet etwa steht auf dem Programm. „Wir besichtigen die dortige Schule, erhalten eine Stadtführung, essen gemeinsam und machen dann dort eine Bootsfahrt“, erläutert die Schulleiterin. Drei weitere Begegnungen mit Vorträgen zum Rahmenthema „Eiserner Vorhang“ im Kurhaus Freyung, am Rachel und nach Buchwald (tschechisch: Bucina) gehören ebenfalls zu den kulturellen Veranstaltungen. 15000 Euro Budget werden der Schule dafür zur Verfügung gestellt. Hinzu kommt das Projekt „Handwerkshelden“ der beiden Handwerkskammern Südböhmen und Niederbayern/Oberpfalz mit einem jeweils einwöchigen Aufenthalt in Passau und Budweis innerhalb eines Schuljahres und der Teilnahme am Wettbewerb „Handwerkshelden“ im tschechischen Trebon.
